England, 1820 bis 1901. Das verschnörkelte Zeitalter.

George IV, William IV und Queen Victoria waren die gekrönten Oberhäupter des Vereinigten Königreichs von 1820 bis 1901.

George IV   1820 bis 1830

 Über diesen Herrn habe ich schon im Kapitel Regency (1810 - 1820 berichtet).

Seine Zeit als König dauerte nur 10 Jahre, in der sich die Opulenz nahtlos fortsetzte.

1822   Thomas und John Settle   London

Wer es verschnörkelt mag, der findet im 19. Jahrhundert ganz sicher etwas für seinen Geschmack -

vor allem in der ersten Hälfte. Auch bei

William IV   1830 - 1837

 Der geht mit seinen gerade einmal 7 Regentschaftsjahren immer ein bisschen unter zwischen den großen Epochen.
Dabei wurden zu seiner Zeit sehr aufwändige Werke geschaffen. Beeinflußt auch durch den Naturalismus - und durch die letzten großen Handwerker vor der endgültigen Industrialisierung.

 Als Online-Literatur zum Thema "Vergoldetes Silber" empfehle ich Ihnen diese Publikation von KoopmanRareArt

 http://issuu.com/artsolution/docs/john_adamson_vol_silver-ok2?e=6637020/2092212

1835   Barnard   London

 

Tablett   1833   Benjamin Smith   London

75 x 48 cm   4.5 kg

 

1836   Joseph Willmore   Birmingham   Schreibtischgarnitur

 

Das viktorianische Zeitalter 1837 - 1901

 Queen Victoria

 64 lange Jahre war Victoria Königin eines wachsenden Weltreiches, dessen Wohlstand es immer mehr Menschen erlaubte, Tafelsilber zu kaufen. Gleichzeitig erlaubte die Industrialisierung den Einsatz von Maschinen bei der günstigen Fertigung für diese steigende Nachfrage.

Der Kreativität und der Qualität war diese Entwicklung nicht immer zuträglich. Ich will nicht zu sehr mit dieser Epoche ins Gericht gehen und es mal so formulieren:
Je länger das 19. Jahrhundert dauerte, desto mehr nahm die Gefahr ab, durch die Entdeckung von individueller und origineller Qualitätsarbeit Schnappatmung zu bekommen.

Der führende Industriedesigner seiner Zeit, Christopher Dresser, sah in einer Teekanne zunächst einmal einen Gebrauchsgegenstand, der mit möglichst wenig Materialeinsatz möglichst schnell und einfach in Massen zu fertigen sein sollte. Egal, ob aus Keramik oder Silber. Schon 1880 (!) kreierte er diese Kannen wie diese - interessantes Design, immerhin.

   

Design Christopher Dresser

   

 Ich zitiere dazu einfach aus dem Buch "Silber 1880-1940" von Annelies Krekel-Aalberse:

(Das Silberhandwerk) ... wurde alsbald durch eine rasant wachsende Produktion mittels dampfbetriebender, maschineller Hilfsmittel ersetzt. ... (Der Silberschmied) wurde nach und nach zu einem Monteur, der mit Hilfe dampfgetriebener Pressen und Drückbänke routiniert Silbergerät aus einzelnen Teilen zusammensetzte. Viel zeitraubende Handarbeit, wie das Fertigen von hohlen Formen aus der Fläche heraus, war nun Aufgabe der Maschine. ... am Ende des 19. JH gab es nur noch wenige Silberschmiede, die ihr Handwerk wirklich beherrschten. ... Die fabrikmäßige Produktion ist nur ein Aspekt des Kunsthandwerks im 19. JH, viel auffallender ist das Fehlen eines eigenen Stils. Das Imitieren und Kombinieren alter Stile war gängige künstlerische Praxis geworden.

 Hier eine kleine Sammlung von, wie ich finde, durchaus ansehnlichen viktorianischen Designs.

Neo-Gotischer Stil

Die Qualität von Agnell und Elkington ist praktisch immer einwandfrei.

1844   Agnell   London

 

1880   Elkington   London

Gothic Revival

 

Cellini-Stil

beides von Elkington:     Leuchter 1860     Krug 1875

 

 

Das nenne ich den griechisch-römischen Stil:

1873   Stephen Smith   London

 

 

Die "Jahrhundert-Schelte" ist sicher oft ungerecht und gilt z. B. nicht für George Fox.

 Dieser steht für exklusive Qualität:

Schreibtischgarnitur  1866  George Fox   London

 

 Ebenso wie Francis Higgins, u.a. wegen seinen fantastischen Vorlegeteilen.

1869   Francis Higgins   London    

Fischvorleger, 32 cm lang und ca. 400 Gramm

   
     

 

Die Vasenform war beliebt ...

 

... und diese Art der Oberflächenverzierung.

 

Anleihen bei der Natur und der chinesischen Dekoration wurden weiterhin gerne genommen:

1874   Tintenfässchen   William Jee   London

 

Die Griffe wie Äste ...

.... und die Gravuren im Chinoiserie-Stil

 

Bei der folgenden Kanne aus der Zeit des Aestethic Movements sind wir aus meiner Sicht schon bald beim Jugenstil angekommen:

   

1879   Martin + Hall   London

   

 

1893   Carrington   London

zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann auch wieder

ganz schlichte Arbeiten - sicherlich maßgeblich beeinflußt

vom einem der ersten reinen Industrie-Designer:   Dr. Christopher Dresser

 

Dieses Design von Garrard wurde fast das ganze 19. JH hindurch produziert.

1891 dann auch ohne jede Verzierung.