Die Schatztruhe für Bestecke

Ich erlebe, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen Silberwaren kaufen. Da gibt es

- die Nutzer "Wir sind Teetrinker. Haben Sie auch Teesiebe?"

- die Dekorateure "Die Schale würde bei uns auf der Kommode optimal aussehen!"

- die Sammler und Spezialisten. Mit unterschiedlicher "Ernsthaftigkeit".

Kenner und Liebhaber finden in dieser Schatztruhe außergewöhnliche und einmalige Raritäten. Die Auswahl der Stücke ist eine ziemliche Anstrengung. Ein kleines bisschen so, als würde man eine Mutter fragen, welches Kind ihr am liebsten ist. Eigentlich verbietet sich schon die Frage ... Andererseits verdienen manche Schätze deutlich mehr Aufmerksamkeit, sprich Bilder und Informationen, als die recht nüchterne Auflistung in den Verkaufs-Rubriken erlaubt.

   
     

 In anderen Kapitel habe ich ausführlich beschrieben, dass es praktisch keine "straight" Bestecke aus dem 18. Jahrhundert gibt - und nur sehr wenige erhaltene aus dem 19. Jahrhundert. Stattdessen werden die meisten viktorianischen Bestecke "assembled", also zusammengestellt aus Resten alter "straight" Bestecke. Dabei werden die crests /Familienzeichen ausgeschliffen für eine einheitliche Optik.

Ich habe auch beschrieben, dass man so Bestecke erstklassiger Qualität zu sehr günstigen Preisen bekommen kann und diese Zusammenstellungen z.B. auch in Deutschland völlig normal sind. Hier findet man schon aus geschichtlichen Gründen praktisch keine überlebenden kompletten Bestecke aus dem 19. JH. Im Gegensatz zu England gibt es hier auch keine so klare Punzierung mit Jahresbuchstaben, so dass es keinem auffällt, wenn etwas zusammengestellt wurde.

Ich habe Spaß gefunden an einer 3. Variante: Zusammengestellt, ja. Aber aus kompletten "straight" 12er Sätzen. Dazu nur in kompromisslos erstklassigem Zustand und mit crest - und somit oft einer Geschichte zur Herkunftsfamilie! Zum Beispiel alle 12 Dinnergabeln von Thomas Farnett, Dublin 1829 und mit crest des 8. Earl of Westmeath. Und die 12 Dinnerlöffel dann alle von ... und so weiter.

Ich nenne das die Suche nach dem "Dreckigen Dutzend". Der Film ist ein Klassiker aus den 60er Jahren. Aber zählen Sie mal nach auf dem Bild oben. Genau ... sind nur 11!

So ungefähr geht es Ihnen, wenn Sie ein Besteck für 12 Personen zusammenstellen wollen. Irgendwas fehlt immer! Ganz besonders, wenn es aus dem 18. JH sein soll - schon schwer genug aus der viktorianischen Zeit.

Aber die Mühe lohnt - denn am Ende hat man beste handgeschmiedete Qualität mit Geschichte. Oft zu einem Preis pro Teil, zu dem man z.B. bei Robbe + Berking noch keinen maschinengestanzten Teelöffel bekommt.

Beginnen wir mit einem Suppen-Ensemble - für alle, die keine Kompromisse machen!

Im Design "Hanoverian" - extrem selten und gut!

Suppenkelle von 1755, aus Edinburgh von James Ker + William Dempster

38 cm lang und 255 Gramm

12 Supenlöffel von 1758, aus London von Ebenezer Coker

20,5 cm lang und 924 Gramm 

2350 €   RESERVIERT

mit Suppenkelle aus dem Culzean Castle, Schottland (siehe unten)

An diesem Ensemble ist so ziemlich alles "einmalig".

Vom Alter über Zustand und Größe/Gewicht bis zur klaren Punzierung:

 Bis über die Mitte des 18. JH hat man die Punzen unten auf den Griff geschlagen. Das ging oft schief, denn der Griff war eigentlich viel zu schlank. Viele Punzen sind deshalb unleserlich. Außerdem musste der Schmied die Griffe nach den Punzschlägen oft noch mal begradigen. Blöder geht kaum - Behördenvorschrift? Später ging man dazu über, oben - an der breiteren Stelle - zu punzen.

Dazu kommt eine ganz edle Herkunft der Suppenkelle:

   

Crest und Motto des Kennedy Clan,

Marquess von Ailsa.

Ich erspare mir hier weitere Infos,

"das Netz" / WIKIPEDIA ist voll davon.

 

Der schottische Familiensitz: Culzean Castle.

Es ist davon auszugehen, dass die Kelle hier

mal auf dem Esstisch lag.

 Auch die Suppenlöffel tragen alle das crest eines Barons. Ist ein bisschen schwer zu fotografieren, geht um die Kurve...

   
     

 

 Es ist fast unmöglich ...

Aber: Es ist nur FAST unmöglich!

1790   Sumner + Abdy   London

30 Teile für 6 Personen  - direkt aus dem Hause der Familie Fowke.

   

OLD ENGLISH "BRIGHT CUT EDGE"

Die Messerklingen im 20. JH erneuert.

Alle Gabeln gestempelt für

William Sumner, London 1790.

 

Die Löffel sind noch ein paar Jahre älter, mit Stempeln v.

William Sumner + Richard Crossley, mit dem Sumner

nach seiner Ausbildung eine Partnerschaft hatte.

Messer v. William Abdy II, damals ein führender Anbieter.

Der für das Alter unglaublich gute Zustand ist darauf zurück zu führen, dass das Besteck bis zu meinem Kauf in den Händen

der ursprünglichen Eigentümer war - der Familie Fowke. Genauer gesagt, den Nachkommen des Erwerbers:

   

Major Thomas Thorpe Fowke (1740 - 1805)

http://www.fooksfamily.com
 

Thomas Thorpe war der Sohn von

Rear Admiral Edmund Thorpe Fowke (1704-1784)

und Vater von Admiral George Fowke (1767-1832)

 Die Geschichte der Familie Fowke geht zurück bis zu den Foulques aus dem Hause Anjou in Frankreich. Es gab immer wieder interessante Sprößlinge, über die Sie bei Interesse viele Quellen finden im Internet.

Gerard Fowke z.B. war unter König Karl I "Gentleman of the Bedchamber"  (hört sich seltsam an, ist aber nicht das, wonach es klingt!)

Unter Cromwell wollte und konnte er verständlicherweise nicht leben und wanderte stattdessen aus nach Virginia, Amerika und gründete den Familienzweig in Westmoreland County.

 Alle Teile tragen das Crest der Familie. Löffel und Messer oben, Gabel - aus heutiger Sicht - unten.

 Damals war es üblich, die Gablen mit den Zinken nach unten auf den Tisch zu legen. Aus Sicht der damaligen Besitzer waren also alle Familienzeichen oben. 

   

4800 €  RESERVIERT

 

Diese einmalige Besteck kommt in einer feinen

französischen Schatulle aus dem 19. Jahrhundert.

Die passende Suppenkelle kann gesondert erworben werden

   
     

 

Das vergoldete Dessert-Besteck von Baron (später Earl) of Farquhar.

   

Kompletter Originalzustand.

Kommt in feiner Mahagonie-Schatulle. Mit Zertifikat.

 

36 Teile für 12 Personen. Hanoverian Rattail - Muster.

1,8 kg Sterling Silber. Messer mit Pistolengriff. Klingen aus Silber.

The crest as engraved upon this Victorian Silver-Gilt Hanoverian Pattern Dessert Service for Twelve is that of

The Right Honourable Baron Farquhar.

Horace Brand Townsend-Farquhar (later Farquhar) (born 18th May 1844 died 30th August 1923) was the fifth son of Sir Walter Minto Townsend-Farquhar, the 2nd Baronet of the Mauritius within the Baronetage of the United Kingdom (created on the 21st August 1821) and Erica Catherine Mackay (the testamentary heiress of Eric Mackay, the 7th Lord Reay). Horace was a leading Conservative politician serving as Member of Parliament of Marylebone West from 1895 to 1898 and sometime Treasurer of the Conservative Party. He was created a Baronet of the United Kingdom (styled of Cavendish Square in the Parish of St Marylebone in the County of London) on the 25th October 1892 and he was later created a peer as Baron Farquhar, of St Marylebone in the County of London on the 20th January 1898 and further created Viscount Farquhar on the 21st June 1917 and finally as Earl Farquhar on the 30th November 1922 all within the Peerage of the United Kingdom. During his time in the House of Lords, he served as Master of the (Royal) Household from 1901 to 1907 and as Lord Steward of the (Royal) Household in 1915. He was also an Extra Lord in Waiting to King Edward VII until the King’s death in 1910.

He continued as an Extra Lord in Waiting to King George V until he was appointed as Lord Steward of the Household in 1915. All these posts are (as they are today) political appointments within the Royal Household. He was also appointed a Knight Commander of the Royal Victorian Order (KCVO) and later promoted within the order as a Knight Grand Cross (GCVO). All appointments to Royal Victorian Order are in the gift of the Sovereign and are not political in any whatsoever. Horace was also appointed a Privy Councillor on the 2nd November 1907 and close to the end of his life, his was appointed a Knight Grand Cross (Civil Division) of the Most Honourable Order of the Bath (GCB) in 1922. He also served as a Deputy Lieutenant and Justice of the Peace of the County of Middlesex.

Horace married Emilie Packe, the daughter of Henry Packe, of Harleston in the County of Northamptonshire and Twyford Hall, East Dereham in the County of Norfolk on the 5th January 1895. Prior to her marriage to Horace, Emilie was the widow of Sir Edward Scott, the 5th Baronet of Lytchett Minster in the County of Dorset.

Upon Horace’s death in 1923, the Baronetcy of Cavendish Square, together all his peerages fell into extinction for want of a male heir.

   

London 1876 - 1895 

Die jüngsten Teile sind gepunzt für 1895, dem Jahr seiner Hochzeit mit Emilie Packe.

Vielleicht war es auch ein Geschenk anläßlich seines erstmaligen Einzugs ins Britische Parlament 1895.

 

Alle Teile tragen klare Punzen für George Adams (Chawner + Co) bzw. Thomas + Walter Slater und Henry Holland. Die späten Partner von Holland, Aldwinckle + Slater (gegründet 1838) haben Chawner + Co nach dem Rückzug vom George Adams im Jahre 1883 übernommen.

Alle Teile stammen also, wie zu erwarten, aus einem "Stall".

3800 €

 

 

 "Best of Fiddle" für 6 oder 12 Personen

Zusammengestellt, ja.

Aber nur in kompromisslos erstklassigem Zustand und mit crest - und somit meist einer Geschichte zur Herkunftsfamilie!

Ein "Best of Spaten".

Momentan leider "ausverkauft". Ich bastele am nächsten. Bei Interesse bitte melden.