Kaffee, Schokolade und Cafe au Lait

Der Kaffee kam vor dem Tee nach England. Schon um 1650 öffneten die ersten Kaffeehäuser in London. Nur für Männer übrigens. Als später der erste Tee öffentlich angeboten wurde, erfolgte das in diesen Kaffeehäusern. Etwas später wurde der Tee auch in Gärten serviert - wo dann auch die Frauen hin durften.

Aber wir sind ja beim Kaffee .... 

Übrigens: die Kaffeekanne, die auch zum Verkauf stehen, finden Sie unter "Verkauf / For Sale"

Die Kaffeekannen des frühen 17. Jahrhunderts hatten eine schlichte,

konische Form (konisch, nicht komisch) und oft noch Seitengriffe.

Wer damit mal gegossen hat, der kann verstehen, warum diese bald verschwanden.

 

Meine persönlichen Favoriten stammen aus den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts. Schlicht, aber schon mit kleinen Zierelementen - und der Korpus begann sich von unten her zu wölben. Schwere Handarbeit.

Mit rund 25 cm Höhe und 1 Liter Fassungsvermögen optimal im Gebrauch.

 

250 Jahre später:

1990    G R Temmis     Birmingham

 

Schokolade / Kakao

Schokoladenkannen sehen auf den ersten Blick auf wie Kaffeekannen. Das Besondere: Die Krone läßt sich abnehmen. Durch das Loch wurde dann der Inhalt mit einem Holzstab vor dem Gießen umgerührt. Denn im 18. Jahrhundert gab es weder Nesquick noch Kaba und der Kakao war eine ziemlich fette Masse.

1711   Anthony Nelme   London

 

2 Schokoladenkannen von Aimé Videau und Richard Bayley.     Beide 1749 in London, jeweils 25 cm hoch

 

Bei diesem Exemplar von Aimé Videau ist der ganze Deckel abnehmbar, was die Reinigung der Kanne erleichtert.

Schokoladenkannen erzielen deutlich höhere Preise als vergleichbare Kaffeekannen, weil sie noch seltener sind.

   

chocolate pot mit demontierbarem Deckel

  feinstes Rococo

 

Damit sind wir auch schon beim ROCOCO

   

Ein Highlight der Rococo-Silberkunst

mit exklusiver Provenienz:

Die Kaffeekanne von Earl Grey

1757   Peze Pilleau   London

 

 Feinste Arbeit mit gegossenem Fuß. Sehr ungewöhnliche Krone in Form eines Blumenstraußes.

 ca. 26 cm hoch und 961 Gramm schwer

Arms of the Sir Henry Grey, 2nd Baronet, of Howick in the County of Northumberland

Sir Henry Grey, the 2nd Baronet of Howick, the original owner of this coffee pot was baptized on the 15th November 1722, he was the son of Sir Henry Grey, (baptized 4th December 1691) the 1st Baronet of Howick (created within the Baronetage of Great Britain on the 11th January 1746) and Hannah, daughter of Thomas Wood, of Falloden in the County of Northumberland. The Greys were a well established gentry family in the North East of England centred upon their home county of Northumberland from the 14th Century onwards. The 2nd Baronet served as Member of Parliament for Northumberland from 1754 to 1768. He succeeded his father in the baronetcy of Howick on the 6th May 1749. When he himself died unmarried on the 30th March 1808, his nephew, Charles, the 2nd Earl Grey (born 13th March 1764 died 17th July 1845) succeeded him as the 3rd Baronet of Howick.

Dieser 2nd Earl Grey wurde später Premier Minister.
Nach ihm wurde der berühmte Earl Grey Tea benannt.

Wappen von Baron Grey of Howick

 

Vom ROCOCO ging es auf der Zeitschiene weiter in den Neoklassizissmus

 Erst mit "Girlanden" (linke Kanne) ...

 

 ... dann sehr reduziert.

 Die 3 Kannen oben sind 31 bis 35 cm hoch, die beiden darunter ca. 25 cm.

 

Gegen 1800 wurden langsam komplette mehrteilige Service populär,

weshalb das Design der Kaffeekannen dann angepasst war an die Teekannen und Teedosen

 

Kaffeekanne mit Körbchen für Zucker, Sahne und Konfekt

 

Aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt es auch Kannen, die zwar keinen klassischen Kaffeekannen-Ausguß haben, aber durchaus als Kaffeekannen genutzt wurden. Sie werden mal hot milk jugs genannt, dann hot water jugs. Am Ende ist doch egal, was man rein macht.

 

Viktorianisches Zeitalter

 Im 19. Jahrhundert wurden Kaffeekannen überwiegend im Verbund eines meist 4-teiligen Service gefertigt.

1852   Dublin   Robert W. Smith

 

klassisches viktorianisches Design aus den 1840er Jahren

 

1834   Robert Garrard   London

 

Café au Lait

England, 1934 und 1918

Kaffee mit Milch kennen wir unter vielen Namen. Milchkaffee, caffè latte macchiato, koffie verkeerd oder cafe con leche u.s.w.

Es gibt wunderbare Café au Lait Service im Bereich des antiken Silbers - aber nicht, wie der französische Begriff vermuten ließe, aus Frankreich - sondern fast nur aus England.

 Der Kern sind 2 Kannen - eine für Kaffee und eine für Milch. Da man beim klassischen Milchkaffee den Kaffee und die Milch 1:1 mischt, sind sie grundsätzlich gleich groß. Und meist etwas kleiner als "normale" Kaffeekannen.

 Interessanterweise findet man diese sets meistens im Design des frühen 18. Jahrhunderts oder in davon direkt abgeleiteten Formen. Was mich wieder in meiner zunehmenden Überzeugung bestärkt, dass nach dem 18. Jahrhundert nicht mehr viel wirklich Neues kam - meist nur mehr oder weniger verzierte Variationen. 

Einmal klassischer Griff, einmal mit Seitengriff.

Dieses Design stammt sogar aus dem späten 17. Jahrhundert.

Manchmal gehört auch eine zusätzliche Zuckerschale zum café au lait Service.

 

Oft findet man eine Kanne mit langem Ausguß (für den Kaffee) und eine mit kurzem Ausguß,

 aber es gibt auch die Version mit 2 langen Ausgüssen:

 

Die Variante mit dem "französischem Griff"

altes Design, wieder entdeckt 1925

 

 In den 1930er und -40er Jahren entstanden sehr schöne Art Deco cafe au lait-Service

 

Häufig wurden 5-teilige Service angeboten,

in denen das cafe au lait Service sozusagen drin steckte.

 

 Ein Blick über den großen Teich:

um 1815   USA (Philadelphia)

Zu der Zeit waren die Teekannen dort so groß (linke Kanne 30 cm hoch),

dass man bei uns locker als Kaffeekanne verwendet hätte. Gertreu dem Motto "Big is beautiful".

 

Die "offiziellen" Kaffeekannen in den USA waren noch größer!

 

   

um 1890   Japan

 

In der Mejii-Periode, am Ende des 19. JH,

wurden in Japan allerfeinste Silberwaren gefertigt.

 

Aber so weit muss man gar nicht reisen, schließlich sind wir in Deutschland auch Kaffeetrinker vor dem Herrn: 

gute Qualität aus den Bremer Werkstätten

 

Genau wie unsere Nachbarn, die Belgier:

um 1850

 

   

um 1900 - eine meiner ersten Kannen.

Lang, lang ist´s her ...

 

... und die Fotos sahen damals so aus.